Erdwärmepumpen - Erdbohrung kann extreme Folgen haben. Staufen sackt ab.
Ein fahrender Zug auf den nicht wenige aufspringen - Die Nutzung der Geothermie. Scheint auf den ersten Blick ein Geschenk Gottes zu sein. Man holt sich die Wärme aus der Erde und alles wird gut und das fast für einen Nullinger??
Mit dem guten Vorsatz zum Wärmepumpen-Heizungs-Pionier zu werden hat alles im Jahr 2007 begonnen, seit her sackt der Untergrund der Stadt Staufen ab, und die Hauswände reißen meterlang.
In der Stadt Staufen südlich von Freiburg wird scheinbar fortwährend wertvolle Bausubstanz beschädigt: Pro Woche senken sich Gebäudeteile der historischen Altstadt um einen Millimeter und dass mit der Folge, dass in Wänden zum Teil fingerdicke, meterlange Risse entstanden sind. 53 Häuser sind nach letzten Zahlen inzwischen betroffen.
Die tatsächliche Ursache ist offiziell noch nicht bestimmt, liegt jedoch, man möchte sagen, auf der Hand: Die Senkungen und Hebungen in der Altstadt begannen, nachdem im Herbst 2007 unter dem Rathaus Löcher von 140m Tiefe für Erdsonden gebohrt wurden, um das Rathaus-Gebäude künftig mittels Wärmepumpe zu beheizen. Die Bohrungen seien "die bislang einzige plausible Erklärung" für die Erdbewegungen, sagte der Geotechniker Robert Breder. Erdwärmepumpen arbeiten nach dem Prinzip eines Kühlschranks: So, wie ein Kühlschrank im Innern kühlt und dabei seine Rückwandauf der Außenseite erwärmt, so kühlen Wärmepumpen das Erdreich ab und temperieren indirekt zugleich die Raumluft. Aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs ist die Technik jedoch ökologisch umstritten.
Der Bürgermeister Michael Benitz sprach nach den Mauerrissen zwar von "lediglich kosmetischen Schäden", die auf die Statik der Häuser keinen Einfluss hätten, doch die Menschen in der Stadt sind inzwischen sehr beunruhigt: "Man kann doch aus Deutschland keinen Schweizer Käse machen", sagt eine betroffene Gastronomin.
Schäden an den Gebäuden gehen bereits in die Hunderttausende, auch das Rathaus selbst, zwei Schulen und die Stadtkirche sind betroffen. Staufen hat daher jetzt beim Landgericht Freiburg ein Beweissicherungsverfahren beantragt. Ein Geotechniker der Stuttgarter Materialprüfungsanstalt wird als gerichtlich bestellter Sachverständiger den Staufener Wärmepumpen Fall untersuchen. Man messe derzeit Temperaturprofile in den Bohrlöchern, ermittle die Vertikalbewegungen an 30 Messpunkten in der Innenstadt und erstelle weitere geologische Expertisen, heißt es beim Geologischen Landesamt in Freiburg. Frühestens in zwei Monaten, sagt dessen Hydrogeologe Gunther Wirsing, werden erste Erkenntnisse über
Sicher ist: In rund 30 Meter Tiefe wurde im ein Grundwasserleiter angebohrt, der unter Druck stand - ein sogenannter gespannter Aquifer. Dessen stabilisierender Druck konnte so entweichen, womit zumindest plausibel zu erklären ist, warum Staufens Untergrund seither in Bewegung geraten ist.
Wie heikel Erdbohrungen in dicht besiedeltem Gebiet sein können, weiß man spätestens seit letztem Jahr: Im Januar 2007 musste in Basel, 40 Kilometer von Staufen entfernt, ein Geothermieprojekt auf Eis gelegt werden, nachdem dieses mehrere Erdbeben bis Stärke 3,4 ausgelöst hatte.
Die Menschheit schreitet in Gebiete vor, die man wohl vorab besser studieren sollte. Erneuerbare Energien sind das Mittel der Wahl aber auch hier mit Bedacht!
Mario Simon


















